Warum es manchmal genau daran scheitert, dass wir etwas verändern wollen.
Manche Klient:innen kommen mit dem klaren Wunsch in die Psychotherapie: „Ich will, dass sich etwas verändert.“
Doch auf die Frage, was sich denn verändern soll, bleibt oft nur vage eine Antwort wie „Ich will, dass es mir besser geht.“
Und manchmal – so wie in einem Fall, der mich besonders beschäftigt hat – lautet der Satz sogar:
„Ich will Veränderung – ohne, dass sich etwas verändert.“
Ein Paradoxon? Vielleicht.
Oder auch eine ehrliche Beschreibung von innerer Ambivalenz.
🔍 Was steht hinter diesem Satz?
In unserer therapeutischen Arbeit zeigt sich: Veränderung ist selten nur eine Frage des Wollens.
Oft steht dem Wunsch nach Veränderung etwas entgegen – z. B. Angst vor Kontrollverlust, Überforderung oder schlicht der Wunsch nach Sicherheit.
Gerade bei Depressionen, Stresszuständen oder dem Gefühl von innerer Leere kann dieser Wunsch entstehen:
„Ich möchte, dass es anders ist – aber bitte nicht zu viel auf einmal.“
In einem Fallbeispiel aus meiner Praxis (natürlich anonymisiert) zeigte sich genau das:
Ein Mensch war unzufrieden mit seinem Leben, fühlte sich ausgebrannt und leer – doch als wir gemeinsam versuchten, greifbare Ziele zu formulieren, kam immer wieder:
„Ich will einfach nur, dass es mir besser geht. Aber verändern möchte ich eigentlich nichts.“
🧩 Die verborgene Logik hinter dem Widerspruch
Dieser scheinbare Widerspruch ist in Wahrheit hoch menschlich:
Denn Veränderung bedeutet immer auch Unsicherheit. Und Unsicherheit bedeutet Stress.
Gerade deshalb kann es geschehen, dass Menschen lieber im Zustand eines erträglichen Unglücks bleiben – als ins Ungewisse zu springen.
Die Psychologie kennt dieses Phänomen als Region-Beta-Paradox:
Oft unternehmen wir erst dann etwas, wenn der Leidensdruck groß genug ist – kleinere Probleme „lohnen“ sich scheinbar nicht für Veränderung.
💬 Was kann Psychotherapie hier leisten?
In meiner Praxis arbeite ich mit einem Zugang, der sich unter anderem an der sokratischen Methode orientiert:
Gemeinsam hinterfragen wir Denkmuster, Zielvorstellungen und Annahmen – nicht um zu verunsichern, sondern um neue Perspektiven zu eröffnen.
Manchmal zeigt sich dabei:
Das, was wir verändern wollen, ist unklar – und das, was klar ist, wollen wir nicht verändern.
Doch genau hier beginnt der Raum für echte Entwicklung.
Nicht mit Druck. Nicht mit Zwang. Sondern durch behutsames Erkunden:
Was wäre denn möglich? Und wie kann Veränderung aussehen, die Sicherheit UND Wachstum ermöglicht?
🌱 Veränderung beginnt im Kopf – und im Kontakt
Die zentrale Erkenntnis aus meinem Fall:
Veränderung passiert nicht, weil wir es wollen – sondern weil wir anfangen, uns selbst zu verstehen.
Oft ist der erste Schritt nicht, alles anders zu machen – sondern sich zu erlauben, neu zu denken.
Deshalb frage ich in meinen Therapien nicht nur: Was soll sich verändern?
Sondern auch: Was darf bleiben? Was brauchst du, damit Veränderung sich gut anfühlt?
📍 Fazit: Veränderung braucht nicht nur Mut – sondern auch einen sicheren Raum
Veränderung muss nicht laut und radikal sein.
Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Gedanken.
Oder mit einem Gespräch, in dem man sich – endlich – verstanden fühlt.
Wenn du das Gefühl hast, in deinem Leben verharrt etwas, aber du weißt nicht genau was – dann melde dich gerne bei mir.
Gemeinsam schaffen wir den Raum, in dem sich etwas verändern darf – auch wenn sich im Außen vielleicht noch nichts bewegt.

